Das Findorff-Jahr 2020

Das Findorff-Jahr 2020

Am 22.Februar 2020 feiert Jürgen Christian Findorff seinen 300. Geburtstag. Auch in unserem Stadtteil, der nach Jürgen Christian Findorff benannt wurde, wird dieser Geburtstag im Rahmen des Torfhafenfestes gefeiert.

Wer war Jürgen Christian Findorff ?

Am 22.Februar 1720 wurde Jürgen Christian Findorff in Lauenburg an der Elbe geboren. Er war der Älteste von 5 überlebenden Kindern des Ratstischlers Hinrich Findorff und dessen Frau Sophia Hedewig geb. Hofmann aus Sterley. Wie üblich ging er bei seinem Vater in die Lehre. Nach dessen frühen Tod im Jahr 1739 musste er als Neunzehnjähriger den Betrieb zusammen mit seiner Mutter weiterführen. 1747 erhielt er den Auftrag, bei der Erneuerung der Frauenwerder Schleuse in der Stecknitzfahrt (Vorgänger des Elbe-Lübeck-Kanals) ein Schöpfrad, die Hecktüren an der Schleuse, zwei Bretterpumpen und eine Winde zu bauen. Dabei war der Oberlandbaumeister Otto Heinrich von Bonn von der Kurfürstlichen Kammer in Hannover aufgrund der guten Qualität der für einen Tischler schon außergewöhnlichen Arbeit so beeindruckt, dass er Findorff weitere derartige Aufträge erteilte. Gleichzeitig muss Findorff in diesen Jahren das Zeichnen von Karten und Bauplänen gelernt haben und sich die Kenntnisse im Vermessungswesen sowie im Hoch- und Tiefbau angeeignet haben. Offensichtlich hat ihn der Oberlandbaumeister dabei gefördert, den Findorff bezeichnet ihn in einem späteren Schreiben als seinen Prinzipal (Lehrmeister).

1753 ist Findorff erstmalig im Teufelsmoor nachzuweisen. Die 1752 begonnene Kolonisation des Teufelsmoores mit der Gründung der Dörfer Wörpedorf und Neu- St. Jürgen war aus verschiedenen Gründen ins Stocken geraten. Erst unter der energischen Führung durch den Geheimen Rat Benedix von Bremer kam Schwung in die Besiedelung. Findorff bekam dabei diverse Aufträge für Vermessungsarbeiten. Bei der Moorkonferenz im Juli 1755 wurde in seinem Beisein über die Gründung von Osterode und über einen notwendigen Kirchenbau in Worpswede gesprochen. Dieser Bau konnte dann unter seiner erfolgreichen Leitung 1759 eingeweiht werden. Damit steigerte sich sein Bekanntheitsgrad und er bekam weitere Aufträge zum Bau von Kirchen nach seinen Entwürfen. Ab 1759 übernahm er die Stelle des Amtsvogtes in Neuenkirchen bei Soltau, wahrscheinlich wegen eines festen Gehaltes, denn bis dahin bekam er nur Diäten für die jeweiligen Aufträge. Später wohnte er auf der Burg Lesum und war wieder auf Diäten angewiesen bis er 1771 auf Vorschlag der Moorämter von König Georg III zum Moorkommissar ernannt wird und ab 1772 endlich ein festes Jahresgehalt von 100 Reichsthaler erhält. Wiederum auf Drängen der Moorämter wurde der Betrag 1775 auf 300 Thaler und 1790 schließlich auf 500 Thaler erhöht. Nach dem Tod des Geheimen Rats von Bremer im Jahr 1779 waren die Moorämter voll auf Findorff angewiesen und er konnte von da an noch selbstständiger arbeiten.

Etwa 1790 zog Findorff nach Bremervörde, da sich der Schwerpunkt der Kolonisation in den Norden des Teufelsmoores verlagert hatte Er starb dort am 31. Juli 1792 und wurde gemäß seinem Wunsch auf dem Friedhof in Iselersheim beigesetzt.

In den 40 Jahren seiner Tätigkeit im Moor entstanden unter seiner erheblichen Mitwirkung 60 Dörfer womit 1500 Familien eine Heimat geschaffen wurde. Große Projekte wie der Osterholzer Hafen mit dem Hafenkanal und besonders der mit großen Schwierigkeiten verbundene Bau des Oste- Hamme- Kanal kamen unter seiner Planung und Leitung zur Ausführung. Als Experte in Kirchenfragen war er am Bau, Umbau und Bestandsaufnahmen von ca. 40 Kirchen sowie von verschiedenen Amts-, Schul- und Küsterhäusern beteiligt.

Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Betreuung der Siedler. Er hatte für jeden ein offenes Ohr, gab ihnen Ratschläge und setzte sich gegebenenfalls für sie ein. Schon zu Lebzeiten wurde er deshalb Vater der Moorbauern genannt. Das hat auch der Franzose Jean Andre`De Luc in seiner Reisebeschreibung 1778 zum Ausdruck gebracht: „Welches Glücks darf sich Herr Findorff erfreuen! Alle Gesichter beleben sich, wenn er sich nähert. Die Menschen dort betrachten ihn als ihren Vater und den Vater ihrer Kinder, dem sie zugehören, dem sie ihre Existenz verdanken.“

Der Bremer Historiker Herbert Schwarzwälder sagte es in seinem „Das Große Bremen- Lexikon“ mit einem Satz:

Findorff war die Seele der Kolonisation!“

 

 

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